Die verkehrte Welt des Dr. Blum

Stadtwerkeleiter verlangt von Stadträten Finanzplan für die Umsetzung des Energieleitbildes. Die Grüne Stadtratsfraktion sieht darin eine geradezu abenteuerliche Verdrehung der Verantwortlichkeiten.


„Das hat mit unternehmerischer Denkweise nur noch wenig zu tun“, reagierte Bürgermeister Dr. Thomas Keyßner auf die Aufforderung Blums, die Stadträte mögen sich doch bitte über die Finanzierung des Energieleitbildes der Stadt Landshut selbst Gedanken machen, die Werke könnten dies jedenfalls nicht stemmen. (Bericht LZ vom 6. August 2010).  „Es ist nicht nur das erklärte Ziel der Stadt bis 2037 energieautark zu sein, zu dessen Umsetzung auch die Stadtwerke ihren Teil beizutragen haben; es ist eine Absage an zwingend notwendige Investitionen in die Erhöhung der Eigenenergieerzeugung“, so Bürgermeister Dr. Thomas Keyßner von den Grünen. Nur dadurch könnten  die Stadtwerke aber langfristig auf dem Energiemarkt  bestehen. Bereits vor einem Jahr forderten die Grünen ein mittelfristiges Investitionsprogramm bis 2020, das eine Steigerung der Eigenenergieerzeugung von 8 auf 20 % vorsieht.

Dr. Thomas Gambke, Grünen Stadtrat und Verwaltungsbeirat für die Werke sieht in Blums Aufforderung eine Verdrehung der Verantwortlichkeiten „in geradezu abenteuerliche Weise“. Es sei die Aufgabe der Operative – des Managements, konkrete Projekte und Finanzierungsvorschläge zu erarbeiten. Nirgendwo in der Wirtschaft sei man vernünftigerweise bereit, so Gambke, einfach Geld zur Verfügung zu stellen nach dem Motto: „Nun machen Sie mal“.

Nicht nur die Grünen sondern besonders auch die CSU forderten bereits im vergangenen Jahr ein planvolles Strategiekonzept für die Stadtwerke. Hintergrund war die sich damals festigende Erkenntnis, dass die Unterdeckung in den Bereichen Schwimmbad, Busverkehr sowie die Verluste beim Betrieb der Parkdecks  und des Verkehrslandeplatzes  nicht mehr durch Überschüsse aus den Bereichen Gas und Strom ausgeglichen werden können. Es werde Zeit, dass dieses immer wieder eingeforderte Konzept endlich vorgelegt wird, moniert Fraktionsvorsitzende und Werksenatsmitglied Sigi Hagl: „Der im Oktober 2009 im Werksenat vorgestellte Zukunftsplan war nichts als Prosa. Auf die geforderte Erweiterung des Konzepts um konkrete Projekte und Zahlen warten wir noch heute“, so die Grünen-Stadträtin. Ihrer Auffassung nach fehle nicht nur die Strategie, sondern erkennbar auch der Wille der Werkleitung, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen.

Bemerkenswert findet Hagl in dem Zusammenhang auch, dass sich Stadtwerkeleiter Dr. Klaus Blum noch Ende 2008 offensichtlich selbst in der Verantwortung sah, Ausführungs- und Finanzierungsplanung für konkrete Projekte zu übernehmen. So liege ihr ein Schreiben der Werkleitung vor, das zur Projektierung und den Aufbau eines Biomassekraftwerkes ab 2009 Planungsmittel in Höhe von 200 000 Euro vorsah, sowie Planungsschwerpunkte von der Anlagendimensionierung bis zur Finanzierung festlegte. „In der Tat nur ein Papier, und das ist bekanntlich geduldig“, meint Hagl.

Verwandte Artikel