Förderstellen für Langzeitarbeitslose auf die Hälfte geschrumpft

Sigi Hagl zu Besuch bei Hab & Gut in Altdorf

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Einen Überblick über die Situation der Langzeitarbeitslosen in Stadt und Landkreis Landshut verschaffte sich vergangene Woche Sigi Hagl, Landesvorsitzende und Fraktionsvorsitzende der Landshuter Grünen, im Haupthaus der Arbeitsprojekte der Diakonie Landshut e.V., dem Gebrauchtwarenhaus „Hab & Gut“ in Altdorf. Dabei berichtete der Leiter der Arbeitsprojekte, Jan Ritzer, dass sich Förderstellen für sogenannte “ein-Euro-Jobs”  seit seinem Beginn 2008  von 96 zu besetzenden Stellen auf 46 mehr als halbiert haben. Das entspricht laut Hagl dem bundesweiten Trend, wie eine Anfrage der Grünen im Bundestag kürzlich ergab.” Förderinstrumente wurden in den vergangenen Jahren radikal abgebaut. Viele arbeitslose Menschen fallen in ein Förderloch und werden zum Nichtstun verdammt,” kritisiert Hagl.

Die Grünen-Politikerin wies in diesem Zusammenhang auf den bundes- wie bayernweiten Anstieg der Zahl der Langzeitarbeitslosen hin und äußerte ihr Unverständnis, dass der Abbau ohne Alternativen für bundesweit 435000 Bürger von statten gehe, die aufgrund von multiplen Vermittlungshemnissen schwer auf den ersten Arbeitsmarkt einzubinden sind. Diese Zahl, so der Leiter der Arbeitsprojekte, Jan Ritzer, wurde letztes Jahr von Forschern der Hochschule Koblenz erhoben und wird als Untergrenze der Langzeitarbeitslosen gesehen, denen kaum Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt eingeräumt werden.  „Förderstellen werden Mangelware – auch in Landshut”,sagte Hagl. Im Arbeitsamtsbezirks Landshut-Pfarrkirchen sind laut aktuellem Arbeitsmarktbericht 2038 Menschen langzeitarbeitslos, das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Anstieg von 11%. Jan Ritzer verwies auf die Argumentation der Bundesagentur für Arbeit, die kritisiert, dass die Arbeitsgelegenheiten nicht die gewünschten Erfolge erzielten (LZ berichtete am 7.8.2014 über die Aussage von Heinrich Alt, dass die Ein-Euro-Jobs in weniger als zehn Prozent zu einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz führten).  Bei den Arbeitsprojekten der Diakonie wurde im ersten Halbjahr 2014 zum einen die bundesweite Eingliederungsquote mit 26,8 % weit überschritten. Zum anderen waren sich Hagl und Ritzer einig, dass Ein-Euro-Jobs nicht nur an der Vermittlungsquote in den sogenannten 1. Arbeitsmarkt gemessen werden darf, sondern dass öffentlich geförderte Beschäftigung ein Mehrwert für die gesamte Gesellschaft sei. “Die Betroffenen in den Arbeitsgelegenheiten erfahren Wertschätzung ihrer Tätigkeiten, können sich beweisen und so zu mehr Selbstvertrauen gelangen”, erläuterte Ritzer. Eine Erhebung, welche Wirkungen auf die Entlastung der Gesundheitskassen durch diese Maßnahmen entsteht, gibt es laut Ritzer bislang nicht.

Einen „interessanten Ansatz“, der genauer analysiert werden müsse, sah Hagl in dem PAT-Modell, das derzeit in Baden-Württemberg erprobt wird:  Alle Leistungen, die Hartz-IV-Empfänger erhalten werden in einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz „umgewandelt“, also passive Leistungen in aktivierende transferiert (PAT) . Die Landesvorsitzende sprach sich zudem für „flexible Strategien“ für öffentlich geförderte Beschäftigung aus und  forderte auch für Bayern entsprechende Landesprogramme, die in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg schon ins Leben gerufen wurden.

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