Grüne für moderne Architektur auch in der historischen Innenstadt – konkrete Projekte aber differenziert betrachten

Die Bauvoranfrage des Architekten Bernd Hanseder für ein Wohn- und Ärztehaus am Münchner Tor beschäftigt den Stadtrat, und hier namentlich den Bausenat sowie den beratenden Gestaltungsbeirat, schon seit geraumer Zeit. Kommenden Freitag ist nun das gesamte Stadtratsplenum am Zug.

Die Stadtratsfraktion der Grünen ist offen für moderne Architektur, auch in der historischen Innenstadt. Dennoch sind konkrete Projekte differenziert zu betrachten und danach zu bewerten, ob sie an dem geplanten Standort eine gute Ergänzung des Stadtbildes darstellen. Entscheidend ist, wie sensibel der Planungsentwurf mit der städtebaulichen Situation umgeht.

Bei dem Bauvorhaben am Münchner Tor an der alten Stadtmauer wird dies innerhalb der Fraktion unterschiedlich beurteilt: reizvoll daran ist der Plan, in bisher vernachlässigter Innenstadtlage einen attraktiven Platz für Wohnen und Dienstleistungen zu schaffen. Reizvoll auch die bewusst gewählte moderne Formensprache im historischen Gesamtzusammenhang.

Von Beginn an kritisch gesehen hat die Fraktion jedoch insbesondere die Massivität des geplanten Baukörpers, sowie bis zuletzt die Zufahrtssituation an der sensiblen Stelle der Stadtmauer. Eine hohe Anzahl an Stellplätzen mit entsprechend hohem Verkehrsaufkommen ist aus Sicht der Fraktion in der dargestellten Form äußerst problematisch zu bewerten. Zu bedenken gilt auch der massive Eingriff in den Hang.

Die Gewichtung der Argumente pro und contra fällt in der Grünen Fraktion nicht einheitlich aus. Die Fraktion wird daher bei der Behandlung des Bauvorhabens im Plenum voraussichtlich uneinheitlich abstimmen. Eine Behandlung dieses Bauvorhabens im gesamten Stadtrat sieht die Fraktion mehrheitlich positiv, da eine Entscheidung, die das Stadtbild auf Jahrzehnte prägt, eine möglichst breite Zustimmung finden sollte. Die Grüne Fraktion erhofft sich von der bevorstehenden Plenardebatte eine konstruktive, sachorientierte Auseinandersetzung mit dem Bauvorhaben. Anstelle einer knappen Alles-oder-nichts-Entscheidung bestehe zudem die Chance eine Kompromisslinie zu finden, die von einer größeren Mehrheit des Stadtrats getragen wird.

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