Kaserneneck

„Der Großinvestor holt zum Gegenschlag aus“ und „Baulöwe gegen Grüne Damen“ lauten die Überschriften zum Thema Kaserneneck in der Landshuter Zeitung. Diese Überschriften und die Berichterstattung lenken ab von der eigentlichen Sache: es gilt eine Entscheidung zu treffen, die für die Bürger im Landshuter Osten aber auch für die ganze Stadt eine hohe Bedeutung hat.

Für die Bürger im Osten der Stadt geht es darum, eine Nahversorgung zu bekommen, und zwar möglichst rasch. Dazu wird ein Supermarkt (Lebensmittelvollversorger) und ein Discount Geschäft gefordert – möglicherweise ergänzt um einige weitere Dienstleistungen wie Frisör, Schlüsseldienst oder ähnliches. Für dieses Angebot ist eine Verkaufsfläche von in der Größenordnung  3.000 Quadratmeter vorzusehen. Weitere Nutzungen des Areals könnten ein Hotel und weitere Büros und hochwertige Dienstleistungen wie Rechtsanwaltsbüros oder Arztpraxen sein. Der entscheidenden Punkt – neben dem Wunsch, dass an dieser prominenten Stelle der Stadt ein ansprechender Gebäudekomplex errichtet werden sollte – ist nun die Frage, wie viel Verkaufsfläche für weitere Geschäfte am Kaserneneck vorgesehen werden sollte. Eine Erweiterung von Verkaufsfläche außerhalb der Innenstadt muss als äußerst kritisch gesehen werden. Landshut hat bereits eine im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl zu große Verkaufsfläche. Sollten am Kaserneneck nun weitere, über die Nahversorgung hinausgehende Verkaufsflächen entstehen, so wird dies der Innenstadt weiter Kaufkraft entziehen. Schon heute sind viele Leerstände in der Innenstadt zu sehen, in der Neustadt wird sich mit der Aufgabe eines Bekleidungshauses die Situation aktuell noch zu verschärfen. Vor diesem Hintergrund haben die Mitglieder der Fraktion der Grünen in der letzen Plenumsdebatte ihre Fragen vorgetragen. Wenn dort Emotionalität mit eine Rolle gespielt hat, dann ist dies begründet mit dem Engagement und in der Verantwortung für eine gesunde Stadtentwicklung. Und es ist begründet auch damit, dass als selbstverständlich erachtete Sachinformationen gar nicht oder widersprüchlich gegeben wurden. Dabei ist der Konflikt  kein persönlicher, sondern ein ganz sachlicher: Ein Investor hat das wirtschaftliche Interesse an einer guten Vermarktung der gekauften Fläche. Und dieses gelingt ihm dann, wenn er viel Verkaufsfläche planen und dann auch „an den Mann“ bringen kann.

In dieser Situation kommt der erdrückend hohe Schuldenstand der Stadt Landshut ins Spiel: der Kämmerer ist natürlicherweise darauf aus, für das Areal am Kaserneneck einen möglichst hohen Kaufpreis zu erzielen – aber das bedeutet eben auch, dass die Nutzung des Kasernengeländes weit über die Nahversorgung des Viertels hinausgehen würde. Dies ist mit dem Ziel einer Stärkung der Innenstadt nicht zu vereinbaren.

In dieser Konfliktsituation hätte ich mir gewünscht, dass der Oberbürgermeister eine klare Stellung bezieht. Sein Agieren und seine Einlassungen in dieser Sache lassen befürchten, dass der Oberbürgermeister vor dem Hintergrund der Schulden der Stadt einen Ausverkauf des Kasernengeländes an den meistbietenden Investor ohne Rücksicht auf die Auswirkungen auf die nachhaltige Stadtentwicklung betreibt.

Unerträglich ist es, wenn in diesem Zusammenhang persönliche Drohungen gegen einzelne Stadträte ausgesprochen werden. Wer das tut, disqualifiziert sich als Geschäftspartner. Es geht um eine sachliche Entscheidung.

V.i.S.d.P. Dr. Thomas Gambke, Stadtrat, Wilhelm-Hauff-Str. 57b, 84036 Landshut

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