Naherholung hat Vorrang!

Ständig umlagert war der Infostand der Grünen am Sonntagnachmittag im Auwald. Kreisverband und Fraktion hatten die Bevölkerung eingeladen, um sich vor Ort ein Bild von der geplanten Westtangente (Trasse 7) zu machen. Und die Reaktion war ziemlich einhellig: Unverständnis und Ablehnung zu den Plänen der Stadtverwaltung, die Isarauen an dieser sensiblen Stelle mit einer Straßentrasse zu durchschneiden und damit als Naherholungsgebiet zu entwerten. Als besonders dramatisch wurde die Verschandelung der Landschaft und die flächendeckende Beschallung einer bisherigen Ruheoase bewertet.

Zu Beginn der Aktion machte die Grüne Rathausfraktion ihre Position klar und informierte zum Stand der Beratungen. Die Grünen lehnen diese neue Straßenverbindung als überflüssig ab und fordern stattdessen das seit Jahren beziehungsweise Jahrzehnten überfällige Gesamtverkehrskonzept. Dr. Thomas Keyßner erinnerte eingangs daran, dass diese äußere Westtangente bereits vor knapp 20 Jahren diskutiert wurde; bereits damals wurden die Planungsüberlegungen jedoch nach erheblichem Bürgerwiderstand ad acta gelegt. In der Folge wurde dann die innere Westtangente favorisiert und beschlossen, aber auch dieser Beschluss wurde wegen des Widerstandes der Bürger nicht realisiert. „Man sollte endlich hieraus die Konsequenzen ziehen und die gesamte Stadt- und Verkehrsentwicklung in Landshut neu denken,“ so Dr. Thomas Keyßner: „wir brauchen eine Verkehr vermeidende Siedlungsentwicklung und einen klaren Vorrang für die Verkehrsmittel des Umweltverbunds.

Die jetzt geplante Westtangente sei verkehrspolitisch sinnlos. Sie verbinde lediglich den Rennweg mit der B 11. Sie sei nicht für den Durchgangsverkehr gedacht, sondern werde mit den Bedürfnissen des Landshuter Westens selbst begründet, wo man bis zu 10.000 Neubürger ansiedeln wolle. Keyßner: „Mit der Westtangente gibt man jedoch genau diesen Neubürgern Steinen statt Brot. Denn welcher Bauherr will sich schon wirklich als aller erstes um den Lärmschutz kümmern?“ Auch für die bisherigen Wohngebiete im Landshuter Westen bringe die Westtangente unterm Strich zusätzliche Belastungen.

Stadtrat Markus Scheuermann gab den Anwesenden eine Ahnung davon, welche Ausmaße die Straßentrasse haben werde. Mit zwei Gas gefüllten Luftballons zeigte er die Höhenführung der geplanten Trasse auf: 7 Meter über dem Isaruferweg. Zudem sei die Brücke unvorstellbare 700 m lang; sie überspanne B 11, den südlichen Auwald, die Isar, den nördlichen Auwald einschließlich des Hammerbachs. Um die Straße werde dann auf einem Damm weitergeführt, zwei weitere Brücken schlössen sich an, über den Klötzlmühlbach und eine weitere große Brücke über die Flutmulde. Die Trasse führe nahe an der äußeren Klötzlmüllerstraße vorbei; deswegen werden sie höchstwahrscheinlich auch mit dieser verbunden mit den entsprechenden Konsequenzen für die Verkehrsbelastung.

Umweltsenatsmitglied Raziye Sarioglu wies auf die Umweltverträglichkeitsstudie hin, die allen äußeren Trassen ein sehr schlechtes Zeugnis wegen ihrer Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen, Böden, Wasser usw. ausstelle; auch ökologisch sei die Trasse damit nicht vertretbar. Ein wichtiger Punkt in der Diskussion waren auch die finanziellen Aspekte. Die Trasse wird derzeit mit Baukosten von 20 Millionen €, ohne Nebenkosten wie etwa für Lärmschutz, veranschlagt. Die Anwesenden hatten große Zweifel ob dieser Wert realistisch sei. Zu den erwarteten staatlichen Zuschüssen wurde bemerkt, dass auch dies Steuergelder seien. Zum Abschluss kritisierten die Fraktionsmitglieder, dass – wieder einmal – die Folgekosten dieser Maßnahme keinerlei Rolle in der Diskussion spielten. Dabei lehre doch gerade bei Brückenbauwerken die Vergangenheit, wie kostspielig Unterhalt und Sanierung seien.

 

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