„Um jedes Kind kämpfen“

Hans Weinzierl beschreibt in seinem Leserbrief vom letzten Wochenende sehr richtig ein Schulsystem, das viele Schüler ohne Abschluss und noch einmal ähnlich viele mit einem schlechten Zeugnis – also disqulifizierenden Mängeln in den Grundfertigkeiten: Lesen, Schreiben, Rechnen –  „ins Leben“ und das heißt oft: in eine Hartz IV  Karriere entlässt.

Gut wäre gewesen, wenn er in diesem Zusammenhang den von wechselnden Zuständigkeiten  gebeutelten holprigen Start der Ganztagesschule in Bayern erwähnt hätte. Auch hier tobt der Kampf der Verwaltungen  – zu Lasten der Schulen, zu Lasten der Schüler.

Hans Weinzierl beklagt dann den „vorauseilenden“ Landshuter Stadtrat, der seine Zustimmung zum Landshuter Modell bereits gegeben und damit der Landesregierung einen „Persilschein“ zum Rückzug aus der Verantwortung ausgestellt habe. Und dies geißelt er mit dem Vorwurf der Verantwortungslosigkeit im Umgang mit Steuergeldern, diese Verantwortungslosigkeit verortet er bei den Grünen.

Man könnte Herrn Weinzierl ökonomisch kommen: Herr Weinzierl möge doch einmal die Kosten einer jahrelangen Hartz IV  Karriere – im schlimmsten Fall einschließlich der volkswirtschaftlichen Kosten einer Straffälligkeit – den rund 3.500 Euro gegenüberstellen, die die Förderung eines jungen Menschen zu einem qualifizierten Abschluss und vor allem in eine weitere Ausbildung durch das Landshuter Modell kostet. Da reicht ein qualifizierender Hauptschulabschluss um das Ergebnis eindeutig zu Gunsten des Landshuter Modells zu verorten.

Aber das Hauptargument muss sein: Wir können die Schülerinnen und Schüler, die an der Volkshochschule ihren Hauptschulabschluss nachmachen wollen, nicht in Beugehaft nehmen, damit die Landesregierung ihre Verantwortung für die Bildung in eine Chancengleichheit bietende Strukturreform des Schulsystems umsetzt. Natürlich ist das Landshuter Modell ein Reparaturbetrieb für eine unzureichendes Schulwesen – aber ehe man keine „neue“, das heißt: reformierte Schule hat, müssen wir mit dem Bestehenden leben. Und das läuft nun mal nicht  ohne Reparatur. Zynisch ist es, den Streit um die Finanzierung zwischen Kommune und Landesregierung auf dem Rücken der Schüler und vor allem auch eines hoch engagierten Lehrer- und Ausbildungsteams auszutragen und auf die Zuständigkeit der Staatsregierung zu verweisen.

Aus den Aussagen von Herrn Weinzierl spricht der Verwaltungsmann. Aber das ist eben auch die Crux: Gute Bildung lässt sich nicht mit Verwaltungsvorgängen „machen“. Da gehört mehr dazu: die intensive Beschäftigung mit einer sich verändernden Gesellschaft, die nicht mehr durch die  – längst vergangene – Gemütlichkeit eines niederbayerischen Provinzstädtchens sondern durch die Brüche – aber auch Entwicklungschancen! – einer offenen, flexiblen, fordernden Gesellschaft gekennzeichnet ist. Und es bedarf engagierter Menschen, die „um jedes Kind kämpfen“. Dieses werden wir weiter tun.

Dr. Jürgen Pätzold, Stadtrat,  84036 Landshut, Dr. Thomas Gambke, Stadtrat,84036 Landshut

V.i.S.d.P. Dr. Thomas Gambke, Wilhelm-Hauff-Str. 57b, 84036 Landshut

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